. Neubau

In guter Tradition: Die Eltern packen an!

Bericht des Baukreises

Bereits die ersten Planungen für das Schul-gelände, Anfang der achtziger Jahre, sahen einen Festsaal am jetzigen Standort vor. Doch die Realisierung war damals noch nicht mög-lich sie blieb Zukunftsmusik. Die Schul-gemeinschaft musste sich rund 25 Jahre mit der Turnhalle als provisorischem Festsaal behelfen.

Im Januar 2004 war es dann soweit: Der Baukreis, bestehend aus Vorständen, Lehrern und Eltern, insgesamt acht Personen, erhielt ein Mandat, um den Neubau des Festsaales mit Eurythmieräumen und Klassenzimmern in die Wege zu leiten und zu betreuen. Seit-her traf sich der Baukreis in zweiwöchent-lichem Rhythmus, in den letzten Monaten vor der Fertigstellung auch häufiger.

Ein erstes Hauptthema des Baukreises war die Architektenwahl. Hierzu wurden im April 2004 neun Architek-turbüros, zeitlich ver-setzt, zu einer Vorstellung eingeladen. Die Auswahl erfolgte hauptsächlich unter dem Aspekt der Erfahrung mit Schulbauprojekten für anthroposophische Einrichtungen.

Nachdem die Vorstellungen diskutiert und einige ausgeführte Bauvorhaben besichtigt waren, entschied sich der Baukreis für das Architekturbüro Prof. Lederer–Ragnarsdottir–Oei aus Stuttgart.

Dessen Bauten überzeugten aufgrund hoher Funktionalität, guter Einbindung in die Um-gebung und einer zeitlosen und würdevollen Gesamterscheinung. Besonders beeindruckte aber die durchgängige und aufrichtende Formensprache, im Ganzen wie im Detail.

Der anschließende Planungsprozess verlief intensiv und langwierig. Die verschiedenen „Fraktionen“ aus der Schulgemeinschaft - Hort, Eurythmie, Musik, Theater, Klassen-lehrer und Hausmeister - wurden gehört, gaben Anregungen und meldeten Wünsche an, welche dann der Baukreis und die Architekten zu integrieren versuchten. Im April 2005 entschied die Mitgliederver-sammlung die Umsetzung der Zweizügigkeit. Dies erforderte gravierende Umplanungen.
Wilfried Rahe vom Büro ImmoConsult wurde als Projektsteuerer einge-schaltet. Er unter-stützte und entlastete den Baukreis und die Ge-schäftsführung durch seine umfangrei-che Erfahrung mit der Betreuung derartiger Projekte. 

Schließlich konnte im Oktober 2006 der Bauantrag eingereicht werden und im Mai 2007 rollten die Bagger an. Da der Bezugs-termin im September 2008 unwiderruflich feststand, fiel die Bauzeit, gemessen an der Komplexität des Gebäudes, sehr knapp aus, wodurch es in der Som-merferienzeit vor der Fertigstellung am Bau sehr turbulent zuging.

Ein ständiger Begleiter während der Pla-nungs- und Ausführungsphase, das Kosten-budget, wurde von allen Beteiligten sehr ernst genommen. Besonders in der Anfangs-phase der Planung verursachte die Kosten-frage immer wieder Grundsatzdiskussionen. So ging es auch um die Frage, ob die geplan-ten Rundungen in der Bauausführung nicht zu teuer seien. Gerade und eckig koste doch weniger und entlaste das knappe Budget und damit auch die Elternhäuser.

Solchen Fragen nachzugehen war und ist besonders wichtig und interessant, berühren sie doch Kernanliegen des anthroposo-phisch-organischen Bauimpulses. So sagte Rudolf Steiner 1920 im Rahmen eines Vor-trages im ersten Goetheanum:

„Wir wollten uns hier einbauen, um innerhalb dieses Baues selbst durch seinen Stil jene Seelenverfassung zu gewinnen, durch die dann der Mensch hinausgeht zum Miterleben alles sozialen Daseins, hinausgeht, um in lebendigen Seeleninhalten mitwirken zu können an dem notwendigen sozialen Neubau unserer Zeit.“

Unterstellt man also der besonderen Gestal-tung unseres Neubaus, auch nur ansatz-weise, eine Wirkung gemäß oben genanntem Zitat von Rudolf Steiner, dann lohnt sich die Investition dafür allemal. Dann dient der Bau in der richtigen Weise unseren Kindern und der ganzen Gesellschaft.

Architekt und Baukreis sind sich auch darü-ber im Klaren, dass der Neubau, allein schon aufgrund seiner exponierten Lage, sehr öffentlichkeitswirksam ist. Er ist das erste, was Ankommende vom Schulgelände sehen werden, er ist Auftakt und Höhepunkt zu-gleich. Mit diesem Gebäude stellt sich die Freie Waldorf-schule St. Georgen nach außen dar.

Auf eine detaillierte Beschreibung der Architektur des Neubaus wird hier bewusst verzichtet. Viel mehr sollen alle interessierten Menschen dazu ermuntert werden, das Ge-bäude mit den Sinnen wahrzunehmen und unvoreingenommen auf sich wirken zu lassen - ganz in dem Sinne, wie Rudolf Steiner in Bezug auf das erste Goetheanum sprach: 

„Und es kann, ich glaube wenigstens bis zu einem gewissen Grade erreicht werden, dass derjenige, der diesen Bau betritt, etwa das Gefühl hat: Hier kann man zunächst all das, was man in den Kopf aufgenommen hat von geisteswissenschaftlichen Ideen und Gedan-ken vergessen. Man braucht zunächst nicht darüber zu reden, so-dern man kann es er-fühlen, erfühlen aus den Formen und aus der Behandlung der Formen.“

                                               Markus Pröhmer
                                                   ( E / Baukreis)

 

 

Elternarbeit am Neubau:

Es gab viele Bedenken zu diesem Thema:
- Kann die Arbeit der Handwerker mit der Elternarbeit verzahnt werden?
-Können die Eltern sich so einbringen, dass keine Verzögerungen im Bauablauf entstehen?
- Ist es überhaupt möglich, dass Eltern ohne spezielle Kenntnisse ihre Arbeitskraft und ihre Zeit sinnvoll einbringen können?
- Wie soll alles betreut und begleitet werden?

Die erste Elternaktion wurde von Andreas Müller-Götte organisiert: Das Roden des Baugeländes und das Verarbeiten der anfallenden Holzstämme. Das war ein voller Erfolg!
Als nächste Aufgabe stand an, die gesamte Deckenschalung des Saales zweifach zu streichen. Und wieder gab es Fragen:
- Können Eltern in fast zehn Metern Höhe die Schalung auf den Balken aufbringen? Wie lange werden sie dafür brauchen?
Mit einer kleinen Gruppe gelang es, dies in einem Bruchteil der veranschlagten Zeit zu erledigen! Nun war das Gebäude von oben dicht und der Innenausbau konnte beginnen.
Das Bauen der Trockenwände zwischen den Klassenräumen musste sehr exakt und fach-gerecht ausgeführt werden.
Die Schwingböden für die Eurythmieräume und die Bühne entstanden unter fachlicher Begleitung in Windeseile. Nun konnten die Parkett Verlegearbeiten beginnen! Insgesamt waren ca. 1800 qm Parkettboden zu verlegen, zu schleifen und zu ölen. Für viele unvorstell-bar, doch die Eltern meisterten auch diese Herausforderung.
Die Schallschutzdecken für die Klassen-zimmer anzubringen gehört zu den sehr aufwändigen Aufgaben. Nur durch die Unterstützung des kompetenten Schulvater-Schreiners Julius Henke ließ sich dies leisten. Unendlich viele Löcher mussten genau an-gezeichnet und in die Decke gebohrt werden. Die Handwerker staunten wirklich, was Eltern leisten können.
Die Einbaumöbel für die Klassenzimmer baute Johannes Wittich zuerst mit Schülern und dann mit Eltern und passte sie in die Klassenzimmer ein.

Für die Architekten, die Baufirmen und auch für uns Lehrer war es eine große Überrasch-ung, wie schnell und trotzdem handwerklich sauber gearbeitet wurde. Schwierig gestal-teten sich die Elternaktionen nur dadurch, dass manche Handwerksbetriebe den Zeit-plan nicht einhielten und so die Elternar-beiten bremsten. Die organisierten und vor-bereiteten Elterneinsätze mussten warten oder wieder ganz abgesagt werden. Eine bedauerliche und nervenaufreibende Angelegenheit, die alle viel Zeit und Nerven gekostet hat und uns sehr Leid tut.
Insgesamt gab es natürlich die eine oder andere Panne, aber es war ein unglaublicher Elan und eine Freude bei allen Treffen am Bau erlebbar. Eine erste, sehr positive und heitere Durchlebung des Neubaus .

Allen Mitwirkenden ein herzliches Dankeschön!

                                                      H. Höfflin (L)

 

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